Ein Video-Gruß von #zweiraumsilke an alle Leser:

Verdaumt sportlich

Der erste Beitrag des Jahres stammt wieder aus der Feder eines Gastschreibers.
Die Kategorie "Ein Gast schreibt" bekommt damit erneute Verstärkung.

Zum Autor: Martin ist Vater von zwei Jungs. Dies ist laut ihm sowohl sehr gut für die beiden Brüder als auch - perspektivisch gesehen - sehr gut für die deutsche Nationalmannschaft. Derzeit genießt er samt Familie sein Leben weniger auf den heimischen Fussballplätzen als an den Stränden von Los Angeles.

Selbstverständlich gibt es auch diesen Gastbeitrag im schicken Audioformat zum Reinhören und Lauschen.

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Mittlerweile kommen meine Kinder langsam in ein Alter, in dem andere Sportkurse belegen und
Sportvereinen beitreten. Deswegen stelle ich mir aktuell die essenzielle Frage, welcher Typ „Sport-Papa“ ich eigentlich sein möchte. Ganz ehrlich – für mich gibt es ganz klar ein paar klassische Typen von Sport-Papas.

1. Den Typ „ehrgeiziger Nostalgiker“ habe ich erst letztes Wochenende wieder beim
Jugendfußballturnier in Heroldsreuth gesehen: mit einer Bratwurst in der Hand steht er am
Spielfeldrand des E-Jugendspiels, dirigiert über den Schiri motzend den eigenen Zögling mit
energischen Gesten über das Feld – alles in der Hoffnung, dass der Junior all das, was der Papa trotz seines enormen Potenzials in seiner eigenen aktiven Zeit nicht erreichen konnte, für ihn nachholt und Papas verblichenen Traum lebt.

2. Dann gibt es da noch den Typ „quirliger Förderer“, der eigentlich täglich mit dem mit der
Förderung überforderten Kind auf Achse ist: Montag ist Schwimmkurs, Dienstag Tennistraining,
Mittwoch Judo, Donnerstag wieder Schwimmkurs – heute aber nur eine halbe Stunde, da am frühen
Abend noch Flötenunterreicht ansteht, am Freitag ist Pause, bevor es dann am Samstag in die
Kletterhalle geht und am Sonntag Medenspiele im Einzel und Doppel anstehen.

3. Und dann gibt es noch den Typ „protektiver Experte“, der bestens darüber informiert ist, welche Sportarten gerade von führenden Kinderärzten und Bewegungspsychologen empfohlen werden, der dennoch aber eigentlich immer Angst um sein Kind hat. Denn viele traditionelle Sportarten bergen nach heutigem Wissenstand ja viel zu viele Gefahren: Schwimmen ist beispielsweise schlecht für die Haut und führt zu Neurodermitis, Fußball schädigt durch Kopfbälle das Gehirn. Deswegen üben sich die Kinder des protektiven Experten in Akrobatik, Yoga oder Fahrradfahren – selbstverständlich im heimischen Keller auf dem Heimtrainer.

Welcher Typ Sport-Papa will ich also jetzt eigentlich sein? Einer der klassischen Typen? Um ehrlich zu sein weiß ich es immer noch nicht...

Vielleicht wäre es am besten, wenn ich mich einfach an Fast-Bundestrainer, Motivator und Hexer
Christoph Daum orientiere, dessen Philosophie zur Sporterziehung er selbst in folgendem Satz auf den Punkt gebracht hat: „Andere erziehen ihre Kinder zweisprachig, ich beidfüßig.“

Und beidfüßig erziehen kann ich definitiv…

Ich, Scheißpapa

Die 4 großen Erziehungstrends 2018